100kmbiel2003
 

                                                                                                                                                 Nauen, 18.06.03

Ein Lauferlebnis der besonderen Art

100 km Lauf in Biel 

Nach meinem erfolgreichen 100km Debüt vor zwei Jahren in Neuwittenbeck bei Kiel unter Meisterschaftsbedingungen entwickelte sich in mir der Wunsch, diese Distanz auch einmal unter anderen Bedingungen zu erleben.

Bei der Entscheidung half mir ein guter Lauffreund. Ein besonderes Lauferlebnis bieten in jedem Jahr für Ultraläufer die Bieler Lauftage. Hier werden an einem Wochenende im Juni diverse Laufveranstaltungen ausgerichtet.

Der Hauptlauf ist der 100km Nachtlauf mit der Möglichkeit einer Fahrradbegleitung.

Im Herbst 2002 entstand bei uns die Idee, sich auf diesen Lauf  gemeinsam vorzubereiten.

Ich, Elke Weisener, läuferisch und mein Begleiter (Coach) Steffen auf dem Fahrrad.

Ab Januar 2003 begannen dann die ernsthaften Vorbereitungen.

Um unsere Form und unsere Teamfähigkeit zu testen, nahmen wir am 31.05.2003 an einem Run & Bike Marathon Teil. Hierbei wurde gemeinsam ein Marathon (42,195km) bewältigt. Es musste immer im Wechsel einer laufen und einer radeln.

Auch dies wurde ein unvergesslich schönes Ereignis. Mit einer Zielzeit von 3:32:19h erreichten wir trotz Fahrradpanne glücklich das Ziel.

Am 10.06.03 fuhren wir dann wirklich nach Biel in der Schweiz. Nun gab es kein Zurück.

Mit Vorfreude und einer gewissen Portion Respekt vor der Distanz erreichten wir Biel und stimmten uns vor Ort mit kleineren Radtouren und ruhigen Spaziergängen auf das Ereignis ein.

                              

                               Das Dream-Team vor dem Start

Endlich war es dann soweit. Am 13.06.03 starteten wir zu dem Nachtlauf. Die Radfahrer wurden um 21:30 Uhr auf die Strecke geschickt. Die Läufer starteten um 22:00 Uhr.

Die Zusammenführung der Teams erfolgte nach ca. 18 km.

Als der Startschuss ertönte, war die Nacht schon angebrochen. Es war eine herrliche, klare Vollmondnacht.

Die ersten 5 km verliefen durch die Bieler Innenstadt. Die Straßen waren trotz der späten Stunde voll von jubelnden Zuschauern. Es war überwältigend.

Anschließend ging es in die stille, tiefe Nacht. Hier begann die Einsamkeit des Langstreckenläufers und die Unerbittlichkeit der Schweizer Berge.

Die Strecke, nur beleuchtet durch den Mond, führte durch Felder und Wälder, auf und ab. Man hörte nur das tappeln der Läuferfüße und ab und zu konnte man ein Gespräch im Läuferlatein belauschen. Ansonsten hing man seinen Gedanken nach und freute sich auf den Augenblick, in dem man seinem Teampartner begegnet.

In Aarberg, nach 18 km Einsamkeit war es dann soweit. Nun musste nur noch jeder Coach seinen Läufer finden, dann ging es gemeinsam durch die Nacht.

Und weiterhin erbarmungslos bergauf und bergab. Über Felder, durch dunkle Wälder und durch jubelnde Ortschaften, ja, so war es. In Jedem auch noch so kleinen Ort wurde gefeiert, gejubelt und es gab Verpflegung für jeden Geschmack.

Nach 60km gab es noch einmal eine Trennung der Läufer von den Radfahrern.

Ein 10 km langer Streckenabschnitt, der für Fahrräder unpassierbar ist, musste bewältigt werden. Hier fühlte man sich wie im Dschungel.

Es ging 5km lang auf einem schmalen verwurzelten, steinigen Pfad, dem „Ho Tschi Minh-Pfad“ durch die stockdunkle Nacht. Hier war eine Taschenlampe unentbehrlich.

Als ich diesen Pfad passierte, begann der Tag zu erwachen. Man spürte rundherum wie die Natur atmet und die Vögel begannen zu zwitschern.

Dann begann der Morgen zu dämmern. Es ging noch 5km an einem Fluss entlang, und dann, nach 70km waren sie wieder da – die Fahrradbegleiter, die es nun auch nicht mehr leicht mit uns Läufern hatten.

Nun war es schon taghell, und das Ziel nicht mehr weit. Nur noch 30km.

Nach wie vor war die Stimmung in den Ortschaften bewundernswert gut. Auch die Gäste in den Biergärten haben durchgehalten.

Nach 75km wurden dann die Beine schwer und der Wunsch, so schnell wie möglich das Ziel zu erreichen, und der Qual ein Ende zu setzen wurde immer größer.

Ab km 95 hangelte ich mich von Kilometer zu Kilometer und machte meinem Begleiter das Leben schwer.

                      

Auf dem letzten Kilometer nahm ich all meine Kraft zusammen und konnte sogar wieder Lachen.

Locker und Ohne Blessuren erreichte ich überglücklich am 14.06.03 um 9:43 Uhr das Ziel.

               

                  

Ein ganz besonderes Dankeschön geht auch an meinen Coach Steffen, der mich mit viel Geduld und Verständnis bis ins Ziel begleitet hat.

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